Alternative Medizin

Deutschland und die Schweiz sind in Bezug auf die staatliche Gesetzgebung im Moment die esoterikfreundlichsten Länder Europas. Innerhalb der EU ist Deutschland das einzige Land, das ein Heilpraktikergesetz hat, auf dessen Grundlage praktisch jedermann ganz legal zu einem „Heiler“ werden kann.

Dazu Jürgen Keltsch, Mitglied der Enquetekommission des Deutschen Bundestages: „Jede Kinderschaukel ist TÜV geprüft, aber im hochsensiblen Bereich der kommerziellen Lebenshilfe fehlen die Regelungen, fehlt die Ethik.“

Am 20. März 1997 verabschiedete der Bundestag in dritter Lesung eine Gesetzesänderung, derzufolge hinfort nahezu jede irgendwie geartete „Therapie“ über die Kassen abrechenbar ist. Die Schweiz ist, wo es um die obligatorische, von allen mitfinanzierte Grundversicherung der Krankenkassen geht, sogar noch einen Schritt weitergegangen. Das Eidgenössische Departement des Innern mit dem Bundesamt für Sozialversicherung hat kürzlich den Pflichtleistungsauftrag der obligatorischen Krankenversicherung erweitert und ein Paket von fünf komplementärmedizinischen Methoden der alternativen „Erfahrungsmedizin“ aufgenommen.

Seit 1. Juli 1999 sind neben Neuraltherapie (Betäubungsmittel werden in und unter die Haut gespritzt) und unbedenklicher Phytotherapie (Heilpflanzen als Arzneimittel) auch Homöopathie sowie anthroposophische und chinesische Medizin (Akupunktur, Moxibustion, Massagen, Qigong, T’ai Chi...) in die obligatorische Grundversicherung der Krankenkassen aufgenommen worden. Voraussetzung ist, dass die Behandlung von einer Person mit medizinischem Hochschulabschluss und der entsprechenden Weiterbildung ausgeführt wird.


Mit Homöopathie aufgehört

Ein dreijähriges Nationales Forschungsprogramm unter der Leitung des Basler Ökonomen Dr. Jürg Sommer kam allerdings zum Schluss, dass die Alternativmedizin, wenn gratis angeboten, zusätzlich und nicht anstelle der Schulmedizin beansprucht wird. Er folgert daraus, dass man richtigerweise von Additiv- und nicht von Alternativmedizin sprechen sollte. Die Gesundheitskosten würden deshalb entgegen der Prognosen der Alternativmediziner nicht fallen, sondern im Gegenteil steigen.

Zu denken geben allerdings weit weniger die evtl. erhöhten Krankenkassenprämien, sondern die Tatsache, dass mit der staatlich geförderten Inanspruchnahme von chinesischer und anthroposophischer Medizin ein esoterisches Glaubenssystem Eingang findet, das auf kosmischen Kräften beruht, die nicht ohne geistlichen Schaden beansprucht werden können.

Ob man dasselbe auch von der homöopathischen Medizin sagen muss, ist unter Ärzten und Drogisten umstritten. Die Grundfrage ist: Ist Homöopathie, die mit Arzneien arbeitet, bei denen ab den mittleren Potenzen nachgewiesenermaßen kein Molekül der Wirksubstanz mehr vorhanden ist, noch weltanschaulich neutral?

Seit dem Erscheinen der vorliegenden Zeitschrift - innerhalb weniger Monate wurde eine Gesamtauflage von über 80.000 Exemplaren erreicht - haben wir zahlreiche zumeist sehr positive Reaktionen aus dem Leserkreis erhalten. Die Meinungen in Bezug auf die Frage, ob der Homöopathie eine esoterische Weltanschauung zugrunde liegt, sind hingegen sehr gespalten. Dass homöopathische Mittel weit über den generell gültigen Placebo-Effekt hinaus wirksam sein können, ist unbestritten. Die Frage ist vielmehr, ob es sich bei der Homöopathie um eine Naturheilmethode oder eine Geistheilmethode handelt und um welchen Geist es sich gegebenenfalls handelt. Obwohl persönliche Erfahrungen keineswegs als Beweis für das eine oder andere taugen, können sie doch einen wichtigen Hinweis darstellen, den wir nicht vorschnell zur Seite schieben sollten.

Mehrere Personen, die sich in den letzten Monaten von diversen esoterischen Praktiken gelöst haben, bezeugten, dass sie der Heilige Geist geradezu gedrängt hätte, zum Teil durch Träume, sich von der homöopathischen Medizin ganz zu lösen. Darunter sind auch einige Therapeuten, die seither darauf verzichten, homöopathische Medizin zu verschreiben.

widergöttlicher Geist

Bei einem kürzlichen Aufenthalt in Indien, wo die Homöopathie vom Westen her kommend sehr verbreitet ist, zeigten christliche Ärzte und Pastoren wenig Verständnis dafür, dass wir westlichen Christen die geistliche Basis der Homöopathie nicht durchschauten, die ihrer Meinung nach eindeutig auf der Inanspruchnahme von widergöttlichem kosmischem Geist beruhen ähnlich vieler von alters her bekannten Ausprägungen fernöstlicher Heilmethoden. Tatsache bleibt, dass die Meinungen zur Homöopathie im Westen weiterhin geteilt sind, und das selbst unter ernsthaften Christen.

Beachten Sie auch die Beiträge zum Thema „Homöopathie“ in den früheren Ausgaben „Esoterik I“ und „Heiliger Geist“, welche weiterhin bei uns bezogen werden können. Für die Weitergabe von Erfahrungen aus dem Leserkreis zur Homöopathie und zur sogenannten Erfahrungsmedizin sowie generell zu Praktiken und Therapien, die im Grenzbereich zwischen Medizin und Esoterik liegen, bin ich weiterhin sehr dankbar, da es immer noch viele heikle Fragen gibt, wo das letzte Kapitel noch nicht geschrieben ist.

Hanspeter Nüesch

(Mit freundlicher Genehmigung aus dem Heft "Esoterik II" von Christliches Zeugnis.)

© Campus für Christus, Josefstrasse 206, 8005 CH-Zürich. Der vorliegende Text ist erstmals im Dezember 1998 erschienen und die Ausgabe "Der Heilige Geist" leider vergriffen.


Lesen Sie über den Unsinn der Homöopathie: Der Unsinn der Homöopathie


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