Kurs in Wundern

Gott kannte ich nur aus der Ferne. In meiner erzkatholischen Erziehung war Gott in etwa der „alte Mann mit dem weißen Bart“, der alle möglichen Regeln aufgestellt hat, wie man sich zu verhalten hat. So oder so ähnlich.

So konnte und wollte ich nicht glauben, distanzierte mich etwa 17 Jahren in die hinterste Ecke der Glaubensabstinenz. Dort verbrachte ich einige Jahre, heirate sogar in der Kirche, aber ohne Glaubensüberzeugung. Dann kam die Scheidung. Plötzlich war mein Leben auf „links“ gezogen. In der Zeit tauchten lange verdrängte Sinnfragen wieder auf und forderten Antworten.

Meine Suche führte über Tarotkarten, eines der „Seth-Bücher“ und Reiki schließlich zu Menschen, die sich mit dem sog. „Kurs in Wundern“ * beschäftigen. Allein das Wort „Wunder“ zog mich geradezu magisch an, denn ich brauchte welche!

Der Kurs war für mich wie eine frische Quelle für Verdurstende! Hatte das Gefühl endlich Antworten auf alle meine Fragen gefunden zu haben! Das mehrere hundert Seiten starke Textbuch „inhalierte“ ich. Dazu begann ich mit den täglichen Lektionen aus dem Übungsbuch.
Ich studierte den Kurs, allein, in der Gruppe oder in Seminaren. Die Wunder sollten folgen:

Ein sog. Kurslehrer predigte gebetsmühlenartig über Vergebung bis ich nichts weiter darüber hören sondern es praktisch erfahren wollte. So betete ich zum ersten Mal seit langer Zeit: „Ich weiss nicht, ob es dich gibt und wenn ja, ob du mich hörst! Ich weiss auch nicht was Vergebung ist, aber lass es mich bitte erfahren!“. Das bezog sich vor allem auf meinen Vater und meine Exfrau. Die nächsten Begegnungen mit ihnen waren tatsächlich wundervoll; völlig verändert, es geschahen Begegnungen, die vorher einfach undenkbar waren.

Das "Healingcenter"

Mit diesem „Wunderinstrument“ wollte ich leben, fand eine Gemeinschaft in der Nähe von Brandenburg, die genau das als sog. Neue Christliche Akademie praktizierten. Mein erster Besuch dort war zunächst sehr beklommen, zumal ich mir kurz zuvor einen Rückenwirbel verdreht hatte, unter Schmerzen litt und die Euphorie dort mich an ähnliche Gemütszustände aus meinen Drogenexperimenten erinnerte. Doch dann hatte ich ein Heilungserlebnis, die Schmerzen waren zeitweise komplett verschwunden und die Herzlichkeit dort in der Gruppe nahm mich schließlich vollends gefangen.

Nur einige Monate später zog ich als neuer Mitbewohner in dieses selbsternannte „Healingcenter“ ein. Dort zu leben war jedoch etwas ganz anderes. Mir wurde mehr und mehr bewusst, dass der „heilige Boden“ dort nur hauchdünn war. Zunehmend kamen mir Zweifel am richtigen Platz zu sein. Die Bewohner schienen sich in einen Kokon zur Außenwelt eingenistet zu haben und sich in einer Endlosschleife dem sog. „Geistestraining“, im Stil der totalen Geistesmanipulation, hinzugeben. Der Kurs, der eigentlich als Jahres-Trainingsprogramm gedacht ist, wird dort Jahr für Jahr von Beginn an wiederholt. Dies schien mir sogar im krassen Gegensatz zur Kurslehre selbst zu stehen.

Parallel zu den zunehmenden Zweifeln hatte ich in der Diakonie christliche Schriften und Bücher erhalten, die scheinbar von einem anderen Jesus erzählten. Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, besorgte ich mir eine Bibel. Dort fand ich in den Evangelien zunächst einige Parallelen zum Kurs, doch zunehmend auch krasse Unterschiede. Der Kurs kannte z.B. keine wirkliche Personifizierung des Bösen, was in der Bibel der Teufel ist! Irgendwann kam mir eine Warnung in Erinnerung: „Der beste Trick des Teufels ist, uns weiszumachen, dass es ihn gar nicht gibt!“.

Neues Leben mit Jesus

Zwischenzeitlich hatte ich eines der Bekehrungsgebete aus den Missionsschriften für mich ausgesprochen und mein Leben Jesus übergeben. Mit dem Hinweis auf dieser Homepage wurde mir deutlich, dass ich wohl auf „eine Kopie“ von Jesus hereingefallen war. Der Slogan gegen Raubkopierer auf den heutigen DVDs bekam für mich eine völlig neue Bedeutung: „Danke (Gott), dass sie sich für das Original entschieden haben!“.

Ein letztes Mal sollten der Kurs und alle Infos der „Akademie“ mir ein warmes Gefühl vermitteln. Und zwar als ich alles in einem großen Feuer verbrannte!


* = Der Kurs will eine Art geistiges Trainingsprogramm vermitteln, dass sich u.a. aus einer Mischung von fernöstlichen Philosophien, gnostischen Lehren und Gedankengut von Sigmund Freud zusammensetzt. Dies ist der Überlieferung nach von Jesus persönlich einer amerikanischen Psychologie-Professorin als Medium diktiert worden. Die Sprache ist stark christlich gefärbt, verbunden mit einem intellektuell anspruchsvollen Schreibstil. Der Kurs lehrt u.a. über Vergebung und Wunder, wobei der Begriff „Wunder“ im Kurssinn in erster Linie auf eine beabsichtigte geistliche Veränderung zielt.

Christian

Diesen Bericht gibt es auch in einer ausführlicheren Fassung: Kurs in Wundern

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