Hellsehen und Wahrsagen

Die Sendung "Nachtcafé" (SWR) hatte am
7. Januar 2011 das Thema „Hellsehen, Wahrsagen, Prophezeien – Ist die Zukunft vorhersehbar?“.


In der Sendung war auch Joachim Huessner zu Gast. Seine Ehefrau befand sich im Bann von Wahrsagern und Gurus. Ihr Leben endete tragisch.

Für die Frau von Joachim Huessner kamen alle Warnungen zu spät. Es begann mit der Konsultation von Hellsehern und der Sogkraft eines Sektengurus und endete mit einem Selbstmord. Seine Frau suchte damals beruflich nach einem zweiten Standbein im Bereich der Esoterik. Um Klarheit darüber zu gewinnen besuchte sie insgesamt fünf Wahrsagerinnen. Einmal war Herr Huessner auch selbst bei einem dieser Medien. Er bezahlte 250 Euro für 2 Stunden. Von den Vorhersagen ist nichts eingetreten. Ihm wurde vorhergesagt, dass es in seinem Leben ab dem Jahr 2005 steil bergauf gehen solle. Genau das Gegenteil trat ein. Nach dem Jahr 2005 ging es nur noch nach unten. Seine Ehe ging in die Brüche, er verlor seine Frau an einen Guru und dann auch seine Arbeit. Er musste mit 50 im Leben völlig von vorne anfangen.

Und seine Frau hatte mehrfach prophezeit bekommen, dass sie diesen Weg weitergehen solle und sich beruflich in dieser Richtung weiterentwickeln solle. Das tat sie dann auch und begann eine Ausbildung zur Reinkarnationstherapeutin, absolvierte eine Ausbildung zur Reiki Meisterin.

Dann geriet sie an den Guru Gottfried Bresink aus Inzell, der sich als Reinkarnation von Jesus Christus bezeichnet. Sie fühlte sich durch Bresink zunächst weiter bestärkt, bekam dort sogar gesagt, dass sie die göttliche Liebe verkörpere und die Berufung habe, diese zu verbreiten. Sie geriet dann aber immer mehr in seinen Bann.

Opfer der Esoterik

Die Familie wurde im weiteren Verlauf komplett entfremdet. Joachim Huessner entglitt seine Ehefrau förmlich. Sie zog schließlich aus, um ihrer angeblichen Berufung nachzugehen und ließ sich scheiden. Einen Monat später nahm sie sich das Leben. Es handelte sich um eine ganz normale, gesunde Frau, von Beruf Krankenschwester. Die Ehe verlief glücklich. Sie wollte sich lediglich beruflich weiterbilden. Doch da sie sich so sehr auf Wahrsagerinnen einließ und ihr Leben von deren Vorhersagen abhängig machte, geriet sie in einen Sog, aus dem sie letztendlich nicht mehr herauskam.

In der Sendung wurde auch von einem Ehepaar berichtet, dass zu einer Astrologin ging. Dort wurde ihnen eine bevorstehende Trennung prophezeit. Nach der Sitzung lachten beide, denn sie führten eine glückliche Ehe. Doch der Frau ging diese Vorhersage schließlich nicht mehr aus dem Kopf. Sie steigerte sich so sehr hinein, dass es tatsächlich zu einer schweren Ehekrise kam.

Von einem ähnlichen Fall berichtete in der Sendung Hugo Stamm, der seit 30 Jahren Opfer von Esoterikern und deren Familien berät. Dort ging es um eine Frau, die eine Wahrsagerin aufsuchte. Die Wahrsagerin sagte ihr, dass sie ihr Todesdatum kenne und verriet es ihr auch. Dieses Datum lag gerade mal 3 Jahre und 5 Monate entfernt. Die Frau erlitt darauf eine schwere Depression. Sie bekam dieses Datum nicht mehr aus dem Kopf. Als das angebliche Todesdatum gekommen war, war sie so depressiv, dass sie behütet werden musste, damit es nicht zu einem Selbstmord kam. Hugo Stamm berichtete, dass er ähnliche Schicksale zu Hunderten kennt. Er warnt eindringlich vor Wahrsagern, Astrologen und Kartenlegern. Zitat aus der Sendung: „Diese Menschen spielen Schicksal auf Kosten der Ratsuchenden Menschen und richten großes Leid an.“

Weg hinters Licht

Der Astrophysiker Professor Heinz Oberhummer, ebenfalls Studiogast, wies darauf hin, dass ein Mensch den Blick auf die Realität verliert, wenn er sich an Astrologen wendet. Als Beispiel führte er das Thema Beziehung an. Ein Mensch, der sich in Beziehungsfragen auf die Astrologie verlässt, arbeitet nicht mehr selbst an seiner Beziehung, er hat nur noch die Sterne im Blick. Er wies zudem auf eine Umfrage unter deutschen Astrologen hin. Danach glauben nur 18% von diesen wirklich daran, dass die Sterne eine Wirkung haben, der Rest macht zwar Vorhersagen, glaubt aber nicht daran, dass die Gestirne wirklich einen Einfluss auf uns hätten.

Berufsbezeichnungen wie „Wahrsager“ oder „Helleseher“ sind in Deutschland nicht geschützt. Jeder Scharlatan kann sich so bezeichnen. Joachim Huessner berichtete in der Sendung, dass man in die Esoterik oft hineinstolpert. Es fängt langsam an, indem man sich z.B. die Karten legen lässt, oder sich spezielle Steine zulegt. So entsteht schließlich eine gewisse Empfänglichkeit für diese Dinge. Und dann kann der Schuss schnell nach hinten losgehen. „Es potenziert sich dann, es wird immer mehr, es geht immer schneller“, sagte Joachim Huessner. Und in den meisten Fällen werden auch der Partner und die ganze Familie mit hineingezogen. Joachim Huessner schrieb über seine Erfahrungen das Buch „Ein Weg hinters Licht“. Das Buch sei allen empfohlen, die auch in diesen Sog geraten sind, oder betroffene Familienangehörige haben.


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