Nur gute Geister?

„Wir verbinden uns nur mit guten Geistern“

„Herr Nüesch, Sie können doch nicht alle Geister in einen Topf werfen. Wir nehmen nur die Hilfe von guten Geistwesen in Anspruch. Mit den bösen wollen wir nichts zu tun haben.“
Die Mehrheit unserer Kirchenvorsteher hatte eben entschieden, ein Medium an unser nächstes Kirchenpflegewochenende einzuladen, das Botschaften von jenseitigen Geistwesen für uns channeln würde. Ich intervenierte und schlug vor, dass ich im Gegenzug eine Bibelbetrachtung zum Thema Spiritismus geben könnte, worauf dann unser Präsident obige Bemerkung fallen ließ.

Die Haltung des Kirchenpflegepräsidenten ist symptomatisch für die heutige esoterische Szene. Sie verschweigt keinesfalls die Tatsache von bösen Mächten, uns sie möchte mit wenigen Ausnahmen nichts damit zu tun haben. Deshalb möchte sie nur mit Lichtwesen kommunizieren, respektive nur lichtvolle kosmische Energie, „die aus vollkommener Liebe besteht“, durch die verschiedensten Therapien und Meditationstechniken anzapfen. Interessanterweise gibt es in der Esoterikszene eine zunehmende Anzahl Leute, die offen zugeben, ungewollt Erfahrungen mit schlechten Geistern und gar dem Teufel gemacht zu haben.
Kann Esoterik auch ein Türöffner für das Böse respektive den Bösen sein?

Kürzlich kam ich auf dem Flug nach London neben einem praktizierenden Satanisten zu sitzen. Ich spürte darin Gottes Führung. Um Material für meine Untersuchungen zu erhalten, stellte ich ihm einige Fragen. Der österreichische Satansanbeter bezeichnete Luzifer als seinen Gott, den er zweimal in der Woche in speziellen Gottesdiensten anbeten würde. Luzifer gäbe ihm enorme Power. Auf meine Frage, ob er wüsste, wo er einmal landen würde, wenn er so weitermache, antwortete er seelenruhig: „Ja, in der Hölle, ich werde dort einmal so richtig leiden und sündigen können.“
Was er denn von Esoterik halte?
„Wenig, das ist alles nur schwaches Zeugs für Grünschnäbel; meine Eltern betrieben Weisse Magie, ich mache nur schwarze Magie.“

Die Bibel macht deutlich, dass es gute Engel und von Gott abgefallene, verführerische Engel gibt, die sie als Dämonen bezeichnet. Luzifer ist gemäß der Bibel der Anführer der Dämonen, nachdem er eine Revolution angezettelt hatte und sich aus Stolz von Gott abwandte. Ein Drittel der Engel schloss sich ihm an (vgl. Jesaja 14,13-14; Hesekiel 28, 12-15). Während die (guten) Engel unter der Leitung des Heiligen Geistes stehen und nur auf den Befehl Gottes hin aktiv werden, versuchen die abgefallenen Engel auf verschiedene Weise mit uns Menschen Kontakt aufzunehmen.

Sie erscheinen meistens in der ersten Phase in einer sehr lichtvollen Form, sei es in direkter Weise oder durch Senden von Lichtenergie. Luzifer heisst ja auf Deutsch „Lichtträger“. Immer mehr Personen berichten jedoch, dass diese positive Erscheinungsform sehr schnell umschlagen kann in eine äusserst negative, beklemmende und Angst machende Beeinflussung bis hin zu einer totalen Abhängigkeit im Extremfall. Manchmal hat sich die vereinnahmende Seite erst offenbart, als sich die Personen vom Einfluss der jeweiligen Geistwesen lösen wollten.

Von vereinnahmenden Gurus bis zu vorbildlichen Menschen

Unter den Menschen, die bewusst oder unbewusst die Hilfe von jenseitigen Kräften beanspruchen, habe ich viele Personen getroffen, die in vielem äusserst vorbildlich sind und sich echt um das Wohl ihrer Mitmenschen kümmern. Sie waren in dieser diesseitsbezogenen Welt unerfüllt, suchten nach spirituellen Erfahrungen und kamen so in Kontakt mit Esoterik und Okkultismus.

Andere spirituelle Meister und Gurus sind allerdings sehr egozentrisch bis machtbesessen und erlaben sich an der Gefolgschaft ihrer Jünger, die ihnen oft ohne jegliche kritische Reflexion ergeben sind. Sie nützen die Abhängigkeit ihrer Anhänger aus. Wenn diese sich von ihnen lösen wollen, dann zeigen sie oft ihre wahre Fratze und versuchen die Jünger in jeder Weise an sich zu binden. Der Lack der äusseren Frömmigkeit, die zum Teil sogar noch christlich getarnt ist, bröckelt dann schnell ab.

„Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Diener, die sich als Apostel Christi verkleiden. Und das ist kein Wunder, denn der Satan selbst verkleidet sich in einen Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich als Diener der Gerechtigkeit verkleiden“ (2. Korinther 11,13-15).

Die Lehren, die diese geistigen Führer, Medien, Gurus, Schamanen, Spiritisten usw. weitergeben, bezeichnet der Apostel Paulus als Lehren, hinter denen Eingebungen von verführerischen Geistern und Dämonen stehen:

„Der Heilige Geist aber sagt deutlich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und verführerischen Geistern und Lehren der Dämonen anhängen werden, durch die Heuchelei von Lügenrednern“ (1Timotheus 4,1f.).

Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass insbesondere in der Szene der Medien und Geistheiler die Mehrzahl von ihnen ihre Gaben Gott zuschreibt, und dass die meisten von ihnen mit ihrer, wie sie meinen, gottgegebenen Gabe den Menschen helfen wollen, ohne selber Profit daraus zu schlagen. Ich habe unter ihnen viele sehr sympathische Leute getroffen mit hohen Wertmaßstäben. Ich würde sie als eine Kombination aus Idealisten und Pragmatikern bezeichnen; Idealisten deshalb, weil sie sich nach dem Höchsten respektive Tiefsten im Leben ausstrecken und möglichst viele andere auch daran teilhaben lassen wollen; Pragmatiker deshalb, weil sie sich nicht fragen, warum etwas wirkt und was gegebenenfalls dahinter steht – wenn es nur wirkt und uns hilft, unser volles Potential zu entfalten.

Es sind darunter auffallend viele Frauen im mittleren Alter: Frauen spüren Defizite in unserer Gesellschaft schneller und sind gleichzeitig offener für geistliche Dinge und eine mehr ganzheitliche Erfahrung des Lebens. Sie leben bewusster und nehmen sensibler die Bedürfnisse des Körpers und der Seele wahr als Männer. Die Esoterik bietet das Gefühl, einer Familie von Gleichgesinnten anzuhören, die auf gegenseitiger Achtung und Wertschätzung aufgebaut ist. Die mit der Ausübung der Esoterik verbundene Nähe, Ganzheitlichkeit und „Unlogik“ liegt dem Mann generell weniger. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich auch immer mehr Männer für dieses Gebiet aufschliessen. So gibt es z.B. zunehmend Management- und Führungskurse, die auf einer esoterischen Weltanschauung aufbauen.


Problemlose Kombination von christlichen und esoterischen Überzeugungen

Heute verbindet eine zunehmende Zahl von Personen esoterische mit christlichen Überzeugungen, und das ohne Probleme. Gemäss der umfassenden Untersuchung «Jeder ein Sonderfall? Religion in der Schweiz» (vgl. die ausführlichen Umfrageergebnisse in CZ «Esoterik 1») kann man 7% als exklusive Christen und 2% als exklusive Esoteriker oder Neureligiöse bezeichnen. Dazu kommen jedoch 25 % sogenannte «Allgemeinreligiöse Christen», die gleichzeitig mit dem christlichen Glauben auch neureligiöse Überzeugungen pflegen, die also, um ein Beispiel zu geben, gleichzeitig an die Auferstehung Jesu Christi wie an den ewigen Kreislauf zwischen Mensch, Natur und Kosmos glauben, oder die gleichzeitig an einen persönlichen Erlöser-Gott sowie an Reinkarnation glauben, also an die östliche Vorstellung, dass man immer wieder auf die Welt kommt.

Diese synkretistische Vermischung von christlichen und östlichen Überzeugungen liegt einesteils darin begründet, dass man die christlichen Glaubensinhalte nicht mehr gut kennt, aber andererseits auch darin, dass wir immer mehr vom östlichen Wahrheitsverständnis beeinflusst sind, das sagt, dass alles relativ sei und es viele je nach Mensch und Situation verschiedene Wahrheiten und nicht nur eine einzige absolute, für alle gültige Wahrheit gibt. Buffetspiritualität könnte man die moderne Form der Religiosität nennen. Man nimmt von allem dasjenige, das einem persönlich am besten passt.

Okkultismus: Von Wahrsagerei, Pendeln und Gläserrücken

Seit 25 Jahren beschäftige ich mich mehr oder weniger intensiv mit übersinnlichen Phänomenen ausserhalb des christlichen Glaubens. Mehrere Male während meiner Studentenzeit kam ich in Kontakt mit Okkultismus. Da war z.B. eine Kollegin an der Hochschule St. GaIIen, blitzgescheit, und trotzdem bestand sie keine Prüfung mehr, nachdem sie bei einer Wahrsagerin war, die ihr Prüfungsschwäche voraussagte. Ich weiss, gute Wahrsager sagen nur gute Dinge voraus, aber ist das viel besser?


blitz


Oder da war die Erfahrung mit dem Kristallsammler, der den Ort seiner Kristallklüfte über einer Landkarte auspendelte. Und eine 600 Kilogramm schwere Bergkristallgruppe aus dem kristallarmen Bleniotal war der augenfällige Beweis, dass es wirkte. Sein Wesen, ich meine jetzt dasjenige des Kristallsuchers, nicht des Kristalls, war allerdings sehr düster. Ging das noch mit rechten Dingen zu? Ich konnte an die wissenschaftlichen Erklärungsversuche des Pendelns und Rutenlaufens (Radiästhesie) fortan nicht mehr glauben. Offensichtlich wird das denn auch bei den Wasseradern gleich funktionieren, dass nicht die Ausstrahlung des Wassers das Pendel oder die Rute zum Ausschlagen bringt.

Die Bibel verbietet den Gebrauch von Wünschelruten und Pendel als Wahrsagegerät und gliedert sie bei der Zaubereisünde ein (vgl. Hosea 4,12). Meine Frau Vreni hatte zuvor auch eine interessante Erfahrung mit dem Okkultismus gemacht, die ihr die Augen öffnete.

Die Jugendgruppe der Kirche kam im Keller zusammen, um Gläserrücken zu praktizieren. Auf dem Tisch lagen Buchstaben und Zahlen. Dann stellten sie bestimmte Fragen. Daraufhin bewegte sich das Glas ohne Einwirkung einer anwesenden Person zu einzelnen Buchstaben respektive Zahlen und formte so Antworten. Vreni begann still zu beten: „Herr Jesus, wenn da unreine Geister im Spiel sind, dann lass es stoppen!“ Augenblicklich stoppte das Glas. Der Chef der Runde fragte aufgebracht, ob jemand um den Tisch herum sitze, der innerlich blockierte. Als Vreni daraufhin die Runde verliess, begann sich das Glas wieder zu bewegen.

Neues Zeitalter

1987 wurde unter den Besuchern des deutschen Kirchentages in Berlin eine Umfrage gemacht: 12% der Befragten hatten schon eigene Erfahrungen mit dem Gläserrücken gemacht. Insgesamt gaben 30% der Personen an, in irgend einer Weise persönliche Erfahrungen mit dem Okkultismus gemacht zu haben, sei das nun durch den Besuch einer Wahrsagerin, die Tarotkarten, Kristallkugeln, das Pendel oder aus der Hand lesen; sei es durch magische Praktiken und Rituale aller Art, durch Spiritismus, Seelenexkursion bis hin zur direkten Satansanbetung.

Jugendsekten täuschen und vereinnahmen

Ein Vertreter der Transzendentalen Meditation (TM) hielt an der Hochschule eine Informationsveranstaltung über TM. In der Folge besuchte ich in Abständen einige Male das Zentrum in Seelisberg. Dabei fand ich schnell heraus, dass es sich hier um eine reine östliche Religionsausübung handelte, einfach auf den gestressten Westler zugeschnitten, und nicht um eine „Wissenschaft der kreativen Intelligenz“. Ich stand selber vor dem Altar von Guru Dev, der in der Initiationszeremonie als verstorbener geistlicher Führer angebetet wird, und habe die Düfte der Räucherstäbchen eingeatmet.

Ich habe in dem Heft „Esoterik I“ ausführlich diese Form der spiritistischen Mantra-Meditation beschrieben. Eine weitere interessante Begegnung war der Besuch der „Kinder Gottes“ von David Berg, heute „Die Familie“ genannt. Sie gaben sich äusserst christlich, bis wir realisierten, dass die Anweisungen ihres Führers für sie bedeutend wichtiger waren als die Bibel. Hier erlebte ich, was Manipulation konkret heisst. Eine Freundin von uns verließ alles, zog in diese Kommune und tat willfährig alles, was der Meister von ihr verlangte.

New Age – der Optimismus eines neuen, friedvollen Zeitalters

Anfang der achtziger Jahre kam die Newage Welle von den Vereinigten Staaten nach Europa. Die Astrologie spricht davon, dass der Frühlingspunkt der Sonne im Übergang vom Tierkreiszeichen des Fisches zum Tierkreiszeichen des Wassermannes ist.
(siehe auch Newage).
Das Zeitalter des Fisches war laut New-Age Anhängern geprägt von absoluten Überzeugungen und damit verbunden von Intoleranz und Aggression, während das Zeitalter des Wassermannes Ganzheitlichkeit und Miteinander symbolisiert, eine Harmonie zwischen Gruppen, Rassen und Religionen, eine allumfassende Weltgemeinschaft.


newage


Damit verbunden ist eine Umwandlung der Gesellschaft zu einer höheren Evolutions- und Bewusstseinsstufe der Menschheit, nicht zuletzt verursacht durch eine Integration des Übernatürlichen, Okkulten (Verborgenen), das nun allgemein zugänglich gemacht werden soll. Erst die Verbindung des Sicht- und Messbaren mit den bisher geheimen, transzendenten Wirklichkeiten ermöglicht nach Fritjof Capra, Autor des Bestsellers «Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild» und «Tao des Wissens», die nötige integrierte, ganzheitliche Beschreibung der Wirklichkeit, was zu einem «Wendepunkt für unseren Planeten in seiner Gesamtheit», zu einem grundlegenden «Paradigmenwechsel» führen soll.

Beim östlich inspirierten Gedankengut des New Age wird Erlösung im christlichen Sinne ersetzt durch Bewusstseinstransformation und Verwirklichung des göttlichen Selbst, also durch Selbsterlösung.

Ein ungeheurer Optimismus und Idealismus erfasste mehr und mehr die neureIigiösen Bewegungen. Selbst Bewegungen, die mehr auf das Wohl des Einzelnen ausgerichtet waren, sehen sich nun als Teil einer weltweiten spirituellen Revolution.

In diese Zeit hinein fiel für mich eine interessante Begegnung mit Dr. Martin Gardner, dem bekannten Verhaltenstherapeuten und Rebirthing-Spezialisten. Ich hielt einen Vortrag über New Age an der Universität Innsbruck, und Martin Gardner war mit einem guten Dutzend Anhänger/innen anmarschiert. Ich muss vorausschicken, dass Rebirthing an sich nichts mit New Age zu tun hat. Rebirthing (Wiedergebären) ist eine von Leonard Orr entwickelte psychotherapeutische Therapie, die u. a. mit Hilfe von Hyperventilation (schnelle Atemzüge), ähnlich wie die Urschrei-Therapie von Arthur Janov, noch einmal das Geburtstrauma nacherleben lässt, das gemäß den Rebirthing-Therapeuten verantwortlich ist für viele unserer späteren Verhaltensmuster, Ängste und Gefühlsblockaden.

Man könnte nun meinen, eine solche spezifische individuelle Therapie hätte nun wirklich wenig zu tun mit dem Kommen eines völlig neuen Zeitalters. Weit gefehlt. Dazu Martin Gardner:

«Rebirthing als ein Prozess des Neugeborenwerdens bringt uns in Berührung mit unserer eigenen Positivität, Kraft und Liebe. Diese Erfahrung ermöglicht es uns, mit unserem positiven Kern, der in jedem Menschen strahlt, in engen Kontakt zu treten. Die Folge: ein besseres Selbstwertgefühl, eine veränderte Einstellung zum Leben, neue Kreativität, Energie und ein Wille zum Guten. Dies alles führt schließlich zu einer neuen tiefen Beziehung zu anderen Wiedergeborenen in einer allumfassenden, harmonischen Bruderschaft. Bei dem allem geht es darum, durch Wiedergeburt mit dem Kosmos in Verbindung zu treten und aus dessen Logos heraus Veränderung auf unserem Planeten zu bewirken - ja letztlich ein ganz neues Zeitalter herauszuführen.»

Schöner könnte man die Idee von New Age kaum beschreiben, und das alles, indem man miteinander die traumatische Erfahrung der eigenen Geburt verarbeitet. Dr. Gardner gab im persönlichen Gespräch allerdings ehrlich zu, dass einigen Klienten die Hyperventilation nicht nur gut getan hätte. Wie sollen wir als Christen den Menschen antworten, die sich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften für eine neue Welt des Friedens und der Harmonie einsetzen?

Ich stimme mit dem holländischen Seelsorger Willem C. von Dam überein, wenn er in «Der in euch ist stärker», S. 70f. schreibt:
«New Age ist eine Herausforderung für die Christenheit. Es genügt nicht … nur nein zu sagen zu einem Kosmos ohne Schöpfer, zu einem Heil ohne Heiland, zu geistigen Kräften ohne Heiligen Geist, zu einer Zukunft ohne Verankerung in den Zusagen Gottes. Wir sollten eine bessere Gerechtigkeit vorzeigen, eine Leidenschaft für den Mitmenschen, einen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Umwelt von der Perspektive des Gottesreiches her. Für Christen ist mit dem Kommen Christi das Zeitalter der Liebe angebrochen. Diese Liebe dürfen wir empfangen und klarer als je ausstrahlen. Nur so ist es möglich, das Defizit an Spiritualität aufzuheben …Der christliche Glaube, durch eine persönliche Erfahrung mit Gott belebt, ist die Antwort auf die Herausforderung der New-Age-Bewegung.»

Esoterik - Aberglauben in moderner, sanfter Verpackung

Als ich vor 20 Jahren mit Vorträgen zum weiten Thema des Übersinnlichen begann, sprach niemand von Bachblüten, Reiki, Kinesiologie oder einer Hildegard-Medizin. Anlässlich eines Vortrages sagte ich einmal zum Spass, ich würde als Mineraliensammler sehr reich werden, wenn die Leute wie im Tibet, in China und den alten Inka-Kulturen wieder begännen an die magische Kraft der Steine zu glauben.

Leider ist dies heute Realität geworden. Der Glaube an die toten Steine ist heute eine der verbreitesten Formen des Aberglaubens überhaupt, wobei es beinahe so viele verschiedene Formen des magischen Einsatzes von Steinen gibt wie Steintherapeuten.

Der Glaube an die magische Kraft von Steinen ist vor allem im Zuge des Reiki-Booms und der Wiederentdeckung Hildegard von Bingens aufgekommen. Apropos Hildegard von Bingen: Die Benediktiner-Äbtissin wird 900 Jahre nach ihrer Geburt gleichzeitig als erste deutsche Naturwissenschafterin wie als Prototyp einer Esoterikerin gefeiert. Kürzlich bekam ich zum Jubiläumsjahr ungefragt ein Set von Karten der Hildegard-Medizin zugeschickt, die die heilenden Wirkungen von Knoblauch, Fenchel, Brennessel und, man höre und staune, des Topas’ beschreiben. In Bezug auf die Wirkung des Topas wird Hildegard von Bingen folgendermassen zitiert:

«Denn von Gott hat der überaus wirksame Topas seine Kraft, alles Übel vom Menschen abzuwenden, weil er beim Niedergang der Sonne wächst»

Man muss den Topas, einen Edelstein, nur in den Heiltrank legen, und schon verschwinden Fieber, Augenleiden, Hautausschläge, Milzleiden und Vergiftungen. Zur Abwehr von Dämonen und Zauberbann empfiehlt Hildegard den Hyazinth, zur Befreiung von Besessenheit den Saphyr und gegen die im Kosmos herrschenden Dämonen den Chrysopras.

Diese «Wahrheiten» hat Hildegard sicher nicht von Gott erhalten, obwohl sie von einem «feurigen Licht» spricht, das sie mit «Blitzesleuchten durchströmte» und das ihr befahl, alles niederzuschreiben, was sie visionär sah. Die Benediktinerin hat sicher Verdienste erworben in ihrem unermüdlichen Kampf gegen eine dekadente Gesellschaft und eine im Materialismus gefangene Kirche. Es scheint, gemäss einigen Kennern von Hildegard, der Fall zu sein, dass Hildegard stark von der Esoterikszene vereinnahmt und zu deren Gunsten interpretiert wird, weil eine esoterikfreundliche Benediktiner-Äbtissin in christlichen Kreisen viel Goodwill schafft für esoterische Anliegen.

Gemeinsame Überzeugungen trotz der Vielfalt der Esoterikszene

Die heutige Esoterikszene ist so vielfältig, dass praktisch wöchentlich eine neue Heiltherapie, Meditationsform, Geisterbeschwörungstechnik oder Ichfindungsstrategie erfunden respektive „auf spirituellem Wege geoffenbart“ wird. Immer geht es darum, die göttliche, den Kosmos durchflutende Kraft, wie auch immer sie im Einzelfall genannt wird, für uns und andere nutzbar zu machen.

Manche sehen als Urheber und Ausgangspunkt dieser Kraft personale, jenseitige Geistwesen respektive lebende oder verstorbene spirituelle Meister; andere interpretieren sie als unpersönliche göttliche Energie. Im Gegensatz zur Schwarzen Magie verbünden sich echte Esoteriker/-innen allerdings nur mit dieser Kraft respektive den dahinter stehenden Geistwesen, um sich und anderen Menschen zu helfen, nie um ihnen zu schaden.

Jesus, das Licht

Trotzdem verbietet uns die Bibel den Kontakt von uns aus mit der jenseitigen Welt. Der Heilige Geist soll unser göttlicher Helfer und Begleiter sein. Als Folge der Hinwendung zu Jesus Christus als unserem Erlöser und Herrn dürfen wir im Glauben die Erfüllung und Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist in Anspruch nehmen, der uns ein grundlegend neues Leben schenkt. Er hilft uns, zu unserem Vater im Himmel zu beten, das Wort Gottes zu verstehen und erfüllt unser Leben mit Kraft, Freude und Liebe sowohl zu Gott wie zu unserem Mitmenschen.

Die Hilfe und Kraft, die wir durch die Gegenwart des Heiligen Geistes empfangen, ist viel stärker und tiefgreifender als die vermeintliche Hilfe, die wir durch kosmischen Geist respektive kosmische Geister empfangen. Der Heilige Geist befreit uns, die Geister versklaven uns zunehmend, indem sie uns von sich abhängig machen.

Ich selber bin immer wieder Esoteriker/innen und Geistheiler/innen begegnet, die ehrlich davon erzählen, dass sie mit zunehmender Praxis unter Ängsten und Depressionen zu leiden begonnen hätten.
In den letzten Jahren wurde ich erneut mit verschiedenen Ausprägungen des Okkultismus und Schwarzer Magie konfrontiert, und das nicht ausschließlich aber vorwiegend bei unseren Missionseinsätzen in Russland.

Konfrontation mit Satanisten, Schamanen und „Schneemenschen“ in Sibirien

Während der Aberglaube in grossen Teilen Westeuropas vor allem in Form von sanften esoterischen „Heilsbringern“ wie im Glauben an Steine, Bachblüten, Reiki-Kraft und anthroposophische Heilmittel daherkommt, bin ich auf meinen Missionseinsätzen in Russland mehr offensichtlicheren Formen des Aberglaubens und des Okkultismus begegnet.

Vor kurzem besuchten meine Frau und ich auf der Rückreise von einem Missionseinsatz in Nordwestsibirien die berühmte Arbabstrasse in Moskau. Mit großen Tafeln boten hier unzählige Wahrsager/innen ganz offen ihre Dienste an, sei es dass sie dazu Tarotkarten, Kristallkugeln oder das Pendel benutzten oder aus den Handlinien die Zukunft vorauszusagen versuchten.

Natürlich gibt es diese alten, unverhüllten Formen des Aberglaubens und des Okkultismus weiterhin auch im Westen. Nirgendwo habe ich jedoch eine solche Häufung erlebt wie in Russland, was mir der gewaltigen Orientierungskrise und der zunehmenden Hoffnungslosigkeit der atheistisch erzogenen Menschen in Russland zusammenhängt. Die Russinnen und Russen sind offen für alles, was ihnen ihre geistliche Lehre ausfüllt, auch für den
Glauben an Jesus Christus.

Wir erlebten, wie Unzählige von Menschen ihr Leben Jesus Christus anvertrauten und als Folge davon an mehreren Orten neue Gemeinden entstanden sind, die wiederum Tochtergemeinden gründeten. Gleichzeitig erlebten wir aber auch geistlichen Widerstand wie sonst an kaum einem Ort, der erst durch das Eingreifen Gottes gebrochen wurde. Als ich im Fussballstadion von Schadrinsk (Westsibirien) vor einigen Jahren predigte und am vierten Abend absolut niemand meinem Aufruf zur Glaubensentscheidung folgte - was in Russland ein grösseres Wunder ist, als wenn viele reagieren, da vermutete ich spontan, dass irgendwelche widergöttliche Mächte es den Anwesenden unmöglich machten, sich frei zu entscheiden.

Nachdem ich etwa eine Minute zuwartete und mich mit dem Übersetzer besprach, entschied ich mich, in einem nicht übersetzten Gebet die Mächte der Finsternis im Namen Jesu zu binden und es so den Anwesenden zu ermöglichen, frei zu entscheiden. Kaum hatte ich das Gebet gesprochen, standen Dutzende von Menschen auf und strömten ans Podium. Nach dem Anlass kamen drei Personen auf uns zu und gaben sich als Mitglieder der örtlichen Satanistenvereinigung zu erkennen. Ihr Anführer wörtlich: «Wir sind heute gekommen mit der Absicht, die Macht des Heiligen Geistes zu brechen.» Gottes Macht hatte sich jedoch als stärker erwiesen.

An den folgenden Abenden hatten wir einen offenen Himmel, und Hunderte entschieden sich für ein Leben mit Christus und kamen anschliessend ans Nacharbeitstreffen ins örtliche Kino, wo sich jetzt auch eine neue Gemeinde trifft. In der nordsibirischen Stadt Belojarski, die umgeben ist von Dörfern, in denen arktische Urstämme leben, konfrontierte uns zu Beginn der Mission ein Schamane. (Als Schamanen werden die Zauberpriester respektive Heiler der nordasiatischen und indianischen Naturvölker bezeichnet, die ähnlich wie die afrikanischen Medizinmänner Kontakt mit Geistern aufnehmen, sich mit ihnen verbinden, um als Kanal für deren Wirken zu dienen respektive deren Hilfe zu beanspruchen.)

«Durch die Reise in andere Welten lernt der Schamane, die Geister zu kontaktieren, direkt von den Geistern zu lernen und von ihnen Hilfe zu bekommen. Als Folge kann praktisch jede spirituelle Praxis, die wir kennen, von Schamanen vollzogen werden», so der Schamanismus-Lehrer Michael Horrier, Gründer der „Foundation of Shamanic Studies“ in esotera 5/97.

Der Schamane gab uns unmissverständlich zu verstehen, dass das Territorium ihm gehöre und wir hier nichts zu suchen hätten. Wie angeworfen hatten unsere beiden Übersetzerinnen am gleichen linken Auge die gleiche Entzündung. Wir riefen die Herrschaft Christi aus und baten Gott, unsere Verkündigung des Evangeliums auf wunderbare Weise zu bestätigen:

„Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten die Kraft, mit allem Freimut dein Wort zu verkündigen. Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesu!“ (Apostelgeschichte 4,29f.)

Am nächsten Abend bekehrte sich ein etwas 30-jähriger gelähmter Mann und wurde innerhalb weniger Stunden von seiner Lähmung völlig geheilt. Er lief anschließend selbständig auf den Flughafen. Als die Ärztin das öffentlich bestätigte, standen die Menschen geradezu an, um ihr Leben in Ordnung zu bringen und es unter die Führung Jesu Christi zu stellen. Viele erlebten gleichzeitig auch Heilung von mancherlei Krankheiten und körperlichen Gebrechen.

Dabei erlebten wir, dass manche Krankheiten auf den Einfluss von Aberglauben und von unreinen Geistern zurückzuführen waren. Nachdem sich die Menschen vom Aberglauben und damit verbundenen Geistern im Namen Jesu gelöst und wir nach Matthäus 18,16-18 die Lossprache vollzogen hatten, erlebten wir immer wieder, dass die betroffenen Personen entweder sofort oder in den folgenden Stunden und Tagen von mancherlei Krankheiten bis hin zu Krebs geheilt wurden.

Und noch eine interessante Erfahrung, die wir bei den Urvölkern der Chanti und Mansi im Nordwesten Sibiriens machten. Mehrere Personen dort geben vor, den berühmten „Schneemenschen“ alias Yeti gesehen zu haben. Die Beschreibungen der Begegnungen deckten sich interessanterweise zu einem grossen Teil. Unser Gastgeber erzählte uns, wie er einem etwa drei Meter grossen „Schneemenschen“ überraschend aus nächster Nähe im Wald begegnet war. Er konnte ihn bis in alle Details beschreiben: knapp drei Meter gross, das Gesicht eines etwa 20-jährigen Mannes, den ganzen Körper bedeckt mit stark gekraustem Fell. Der „Schneemensch“ näherte sich unserem Gastgeber bis auf 2-3 Meter. Nachdem dieser in panischer Angst seinen Sohn um Hilfe gerufen hatte, verschwand der „Schneemensch“ so schnell, wie er gekommen war, und das Interessante dabei: Es waren absolut keine Abdrücke im Schnee zu sehen. Ich vermute, dass es sich bei diesem „Schneemenschen“ oder Yeti um ein Geistwesen handelt, das sich für eine gewisse Zeit materialisierte, sicher aber nicht um einen Menschen oder ein Tier, wie es der Extrembergsteiger Reinhold Messner behauptet.

Unsere Antwort: Leben und Dienst in der Kraft des Heiligen Geistes

In unzähligen Gesprächen mit Esoterikern, Geistheilern und New-Age-Anhängern habe ich immer wieder festgestellt, dass sie meistens gute Motive hatten und den Menschen echt helfen wollten. Ihre Hingabe und ihre Lebe zu den Menschen beeindruckten mich immer neu. Viele von ihnen waren überzeugt, ihre Kraft von Gott erhalten zu haben und mit dem Heiligen Geist zusammenzuarbeiten.

Mein Gebet ist deshalb immer neu, dass sich Gott ihnen selber offenbart und sie realisieren, dass es nicht Gottes Geist ist, der in ihnen und durch sie wirkt. Einmal fragte ich eine Geistheilerin, was der Grund sei, dass sie ihr Leben Jesus Christus anvertrauen wollte. Ihre Antwort: «Ich habe noch nie eine so schöne Aura (Lichtausstrahlung) gesehen wie ihre.»
Oft spricht Gott zu den Esoterikern in der Sprache, die sie verstehen, um sie zu ihm zu führen.

Kürzlich haben zwei Esoterikerinnen begonnen, sich für den christlichen Glauben zu interessieren, weil sie feststellten, dass derjenige, der in uns Christen wirkt, grundlegend anders ist als derjenige, der in ihnen wirkt. Ich bin überzeugt, dass es der Heilige Geist selber ist, der ihnen dies klarmachte. Lange Jahre versuchte ich die Menschen, die in abergläubischen Praktiken verstrickt waren, mit überzeugenden Argumenten zu gewinnen, doch mit sehr geringem Erfolg. Heute baue ich mehr auf das Gebet und versuche in schlichten Worten zu erzählen, wer für mich Gott ist - ein liebender Vater - und was ich mit ihm im Alltag konkret erlebe. Immer wieder - leider noch viel zuwenig häufig - darf ich dabei erleben, dass der «Groschen fällt» und die Gesprächspartner erkennen, wie gefährlich und destruktiv die Praxis der Esoterik und des Okkultismus auf lange Sicht ist und wie viel mehr an echtem, erfülltem Leben ihnen der Schöpfer und Vater im Himmel schenken möchte.

Wenn wir Esoteriker/innen echt dienen wollen, dann müssen wir uns zuerst die Frage stellen, ob der Heilige Geist den Platz in unserem Leben und Dienst einnimmt, den die Bibel ihm zuweist. Was die Menschen in der Esoterik suchen, ist echte Liebe und tiefe Freude. Und genau diese Eigenschaften sollen unser Leben als Frucht des Heiligen Geistes zunehmend prägen (vgl. Galater 5,22).

Gott möchte durch uns seine bedingungslose Vaterliebe den Menschen zukommen lassen. Auch sollten wir die Gaben des Heiligen Geistes gebrauchen, z.B. indem wir Kranken das Gebet anbieten. Alles soll dazu dienen, dass suchenden Menschen die Augen aufgehen, damit sie das einzig wahre Licht, Jesus Christus, erkennen und sich von den in unseren Tagen immer zahlreicheren verführerischen Irrlichtern distanzieren.
Hanspeter Nüesch

(Mit freundlicher Genehmigung aus dem Heft "Esoterik II" von Christliches Zeugnis.)


siehe auch: Welcher Geist steckt hinter der Esoterik?

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